förderverein santa maria del apante e.V.
Reisebericht 2006  
     
home
info
aktuelles
projekte
spenden
mitarbeiter
gaestebuch
kontakt
satzung
links
   
  Bilder anklicken für eine vergrößerte Ansicht
  Los Pochotillos
  Erste Spatenstiche in Los Pochotillos
  El Campamento
  Empfang in El Campamento

Christel Weber, Albert Weber, Hamburg, 27.09.2006

Bericht über den Besuch der geförderten Schulen im August/September 2006

Während unserer Reise nach Nicaragua im August/September 2006 haben wir zwischen dem 30.08. und 05.09.06 alle 8 von uns derzeit betreuten Schulen besucht. Wegen der in der Regenzeit vorherrschenden Witterungsverhältnisse und Straßen-bzw. Wegezustände waren die Besuche teilweise beschwerlich. Von den lokalen Behörden und seitens der Schulen wurden wir fast durchweg sehr freundlich empfangen.
Der vorliegende Bericht soll einerseits den derzeitigen Zustand aller vom Förderverein betreuten Projekte wiedergeben, anderseits kann er Hilfestellung für künftige Entscheidungen über Fördermaßnahmen geben.
Als Fazit unserer Besuche möchten wir dem Förderverein empfehlen, in den kommenden Jahren den Bau neuer Schulen zunächst zurück zu stellen und die Spendengelder stärker für den Erhalt und den weiteren Ausbau der vorhandenen Förderschulen einzusetzen. Neben allfälligen Reparaturen erscheinen der Bau von Brunnen sowie von Spiel- und Sportanlagen vordringlich. In diesem Sinn äußerten sich auch viele Schüler/-innen, Lehrkräfte und Verantwortliche vor Ort.

San Francisco de Asís
In dieser ersten von uns gebauten Schule – sie liegt wenige 100m von der Deutschen Schule Managua entfernt - werden zurzeit insgesamt 183 Schüler/-innen unterrichtet; davon 17 im Kindergarten, 125 in den 6 Jahrgängen der Primarstufe und 41 in den 3 unteren Klassen der Sekundarstufe. Kinder des 4. und 5. Jahrgangs der Sekundarstufe besuchen die nicht sehr weit entfernten katholischen Schulen Monte Tabor bzw. Calasanz. Mehrere von ihnen haben dort – die meisten sehr erfolgreich, so der Leiter unserer Schule – das Bachillerato (Abitur) abgelegt.
Alljährlich verbleiben von den am Schuljahrsbeginn angemeldeten ca. 240 Kindern nur 180 bis 190 bis zum Schuljahrsende in der Schule. In aller Regel müssen die Abgänger in irgendeiner Form zum Lebensunterhalt der Familie beitragen oder die Eltern können das Schulgeld ab einem bestimmten Moment nicht mehr aufbringen.
Das monatliche Schulgeld (katholische Privatschule!!) in der Primarstufe beträgt derzeit 30 C$ (Córdobas = knapp 2 US$), in der Sekundarstufe 50 C$ (etwa 3 US$). Eine von Jörg Nagels’ Eltern organisierte Einrichtung zahlt etlichen Primaria-Kindern und 3 Oberstufenkindern ein volles Stipendium.
An der Schule unterrichten 7 Lehrkräfte in der Primarstufe, 5 in der Sekundarstufe. Sie verdienen 1.850 C$ ( = 105 US$). Schulleiter ist nach wie vor Don Jesús.
Die Schule ist in einem guten Allgemeinzustand. Die von uns errichteten Basketballständer und –körbe müssten allerdings komplett ersetzt werden.

Los Pochotillos in San Francisco Libre
San Francisco Libre liegt ca. 100 km von Managua entfernt; 65 km auf der Asphaltstraße Richtung Estelí und etwa 35 km auf einer zumal in der Regenzeit sehr schwer zu befahrenden Erdstraße. Die Ansiedlung Los Pochotillos liegt etwa 20 km vom Ortszentrum entfernt. Die Zufahrtstraße ist in noch weit schlechterem Zustand als die Zufahrt zum Zentrum.
San Francisco Libre hat 10.243 Einwohner. Die sandinistische Bürgermeisterin heißt Liliam del Carmen Gómez Suárez. Der für den Schulneubau Verantwortliche ist der junge, sehr engagierte Ingenieur Eder Manuel Torres Rivas (Telefon in der alcaldía: 8845578, Handy: 6244789, e-mail: Ing_eder1 @ yahoo.es oder Jons_cabrera @ hotmail.com.
Die Ansiedlung Los Pochotillos zählt 49 Familien. Es existiert dort eine teils baufällige, teils unzumutbare alte Schule (Wellblechdach auf 4 Pfählen), in der 103 Kinder von 2 Grundschullehrerinnen und einer Vorschullehrerin unterrichtet werden. Unser Neubau soll diese Schule ersetzen.
Der vor Ort Verantwortliche (líder comunitario) heißt Felícito Miranda Diaz.
Die Bürgermeisterin und der Ingenieur begleiteten uns im Geländewagen der Bürgermeisterei in die Ansiedlung. Dort stellte sich heraus, dass der Neubau unerwartet erst am Tag unseres Besuches begonnen worden war. 12 bis 15 Personen waren mit den ersten Erdarbeiten beschäftigt. Verantwortlich für den verspäteten Beginn waren nach Angaben des Ingenieurs vor allem Verzögerungen bei den Ausschreibungen und Bewerbungen der Handwerker und bei der Materialbeschaffung. Immerhin war alles Material inzwischen vorhanden und an der Baustelle trocken gelagert. Der Bau soll in 2 Monaten stehen.
Ein heftiger tropischer Regen beendete unsern kurzen Besuch auf der Baustelle.

Los Rastrojos
Die Siedlung Los Rastrojos in der Gemeinde (municipio) El Jicaral liegt etwa 180 km von der Hauptstadt Managua entfernt. Sie ist bis zur Siedlung La India über z.T. stark mit Schlaglöchern durchsetzte Asphaltstraßen und schließlich über relativ steile Pfade nur zu Fuß zu erreichen.
Trotz früherer Anstrengungen ist es bisher nicht gelungen, die Bürgermeisterei von El Jicaral in unser Schulprojekt einzubeziehen. Wichtigster Ansprechpartner ist von Beginn an der líder comunitario Marvin.
Wir erreichten die Ansiedlung über einen der steilen Pfade. Dort trafen wir zufällig die Vorschullehrerin Gabriela. In Los Rastrojos wohnen nach deren eigenen Angaben etwa 500 Einwohner. Das größte Problem im Ort ist die Wasserversorgung für Haushalt und Feldfrüchte (Mais, Bohnen, „Weizen“).
5 Lehrerinnen unterrichten 99 Kinder, 17 in der Vorschule, 72 in der Primarstufe. Die Schüler/-innen bezahlen – wie auch in den übrigen staatlichen Schulen – kein Schulgeld. Der Unterricht findet hier nur vormittags statt. Das Gehalt der Grundschullehrerinnen beträgt bei 25 Wochenstunden – wie in allen staatlichen Schulen – 1.200 C$ (knapp 70 US$), die – schlecht ausgebildeten – Vorschullehrerinnen erhalten 400 C$ (knapp 23 US$).
Der Erhaltungszustand der Schule erschien uns als recht gut, abgesehen von einigen kleineren baulichen Mängeln (Verankerung der Fenstergitter). Das im Klassenraum ausgehängte didaktische Material war eher dürftig. Im Gespräch äußerten die Bewohner den Bedarf an Unterrichtsmaterial und Schuluniformen. Der größte Wunsch wäre jedoch ein kleiner Sportplatz. Genügend Terrain dafür wäre um die Schule vorhanden. Auch ein Brunnen wäre dringend nötig.

Die weiteren 5 Schulen liegen alle im municipio El Sauce.

Die Gemeinde (municipio) El Sauce liegt ebenfalls etwa 18o km von Managua entfernt. Sie ist durchgehend über asphaltierte (z.T. mit Schlaglöchern) oder gepflasterte Straßen zu erreichen. Sie hat derzeit etwa 32.000 Einwohner. „Unsere“ Schulen liegen zwischen 12 und 25 km vom Ortszentrum entfernt und sind von dort über Erdstraßen und – zum Teil abenteuerliche – Trassen mit camionetas, besser mit Motorrad oder zu Fuß zu erreichen; in der Regenzeit bisweilen gar nicht.
Der seit 2005 neue (sandinistische) Bürgermeister heißt Evertz Delgadillo. Verwaltungschef und seit Jahren unser direkter Ansprechpartner ist weiterhin Byron Martínez. Noch immer einziges Telefon der Bürgermeisterei: 005 05 3192259;
e-mail: alsauce @ ibw.com.
Wie alle municipios in Nicaragua ist El Sauce unterteilt in kleinere Gemeindebezirke (comarcas; in El Sauce 16), diese wiederum in Ansiedlungen (caseríos oder comunidades; insgesamt in El Sauce 144).

El Campamento
In der Schule der Ansiedlung El Campamento unterrichten 2 Unterstufenlehrerinnen und eine Vorschullehrerin insgesamt nur 55 Kinder davon nur 8 in der Vorschule, die übrigen auf die 6 Jahrgänge der Primarstufe verteilt.
Diese Schule wird von der kooperierenden Gesamtschule in Barsinghausen (Horst Dieter Hartmann) speziell betreut.
Die Schule befand sich in einem hervorragenden Zustand: supersauber und aufgeräumt, an allen Wänden teils selbst gefertigtes, didaktisch gut durchdachtes Lehrmaterial, in einer Ecke Zirkel und Lineal, die Schränke voller Lehrbücher. Ringsum waren Themenecken (rincones didácticos) für individuellen „Zirkelunterricht“ eingerichtet.
Wir hatten ein Gespräch mit der sehr engagierten Verantwortlichen Carmen Lazo (lideresa comunitaria; sie ist außerdem coordinadora de comarca). Nach Fertigstellung der Umzäunung wünscht die Schule in dieser Reihenfolge die Anlage eines Sportplatzes, dann einen Brunnen (der nächste Brunnen befindet sich ca. 400 m von der Schule entfernt) und schließlich einen besseren Fußboden (bisher kompaktierte Erde).

El Borbollón (nuevo)
In dieser Schule unterrichten je eine Grundschul- und eine Vorschullehrerin insgesamt 42 Kinder, davon 12 in der Vorschule. Der Verantwortliche vor Ort heißt Julio Castillo (líder comunitario, außerdem coordinador comarcal).
Einige Mitglieder unseres Vereins hatten der Einweihung dieser Schule beigewohnt und waren damals von dem Engagement der Bewohner, Lehrkräfte und Verantwortlichen sehr angetan. Deshalb waren wir recht enttäuscht darüber, dass wir bei unserm Besuch der Schule diverse Mängel feststellen mussten: leichte Risse im Boden des überdachten Vorbaus, offene Schränke mit teils abgerissenen Türen und Türschlössern, kein didaktisches Material an den Wänden, der direkt vor der Schule befindliche Wasseranschluss außer Funktion. Der Zugang zur Latrine war so hoch zugewachsen, dass die Kinder ihr „großes Geschäft“ an der Rückwand der Schule verrichtet hatten.

Las Lajas
In Las Lajas leben zur Zeit etwa 70 Personen. Der vor Ort Verantwortliche heißt Felícito Rayos. Auch in diesem Ort ist die Wasserversorgung das größte Problem.
Die Schule in Las Lajas ist die kleinste, höchst gelegene und älteste von uns in El Sauce errichtete Schule. Sie ist nur über extrem steile Hohlwege voller Geröll und auf der letzten Etappe nur zu Fuß erreichbar.
Hier unterrichtet der Lehrer Sergio Torres 21 Kinder der 1. bis 3. Klassenstufe, die Lehrerin Sevelia Ramírez 12 Vorschulkinder in einem nahe gelegenen Privathaus.
Der Empfang durch den Lehrer und die Kinder war sehr herzlich. Aufgrund ihres Alters weist die Schule bereits starken Erneuerungsbedarf auf. Der Fußboden (auch des Vorbaus) braucht eine Verstärkung. Das Zinkdach ist an zahlreichen Stellen durchlöchert. Bei einem Hurrikan wurde es abgedeckt und ist nun mit 2 Baumstämmen beschwert und notdürftig befestigt. Die nächste Wasserstelle ist etwa 2 km entfernt. Es gibt bei allen da oben einen Herzenswunsch: einen Brunnen bohren!

El Chote
Die in dieser Ansiedlung Verantwortlichen heißen Marcel Corunia und Martín Lunas Rocha.
Diese Schule besuchen insgesamt 46 Kinder; 36 von ihnen unterrichtet Dennis Rivera in den unteren 4 Jahrgängen der Primaria, die weiteren 10 unterrichtet Jeanette Ramírez in der Vorschule.
Auch in dieser Schule erlebten wir einen bewegenden Empfang und konnten uns ausführlich mit beiden Lehrkräften unterhalten. Leider gab es auch in dieser Schule einige Mängel, die meisten von ihnen leicht zu beheben: Die Pumpe des auf dem Schulgelände vorhandenen Brunnens funktionierte nicht. Bei einer Latrine fehlten eine Mauer und das Zinkdach. Der Boden des überdachten Vorbaus war nach vorangegangenen Erdbewegungen brüchig, der Fußboden im Innern war wellig. An den Türen fehlten Schlösser. Die beiden Tafeln waren abgenutzt.
Es fehlt auch an einer faltbaren Trennwand, die es erlauben würde, einen Teil des Klassenraums abzuteilen, damit der Unterricht in Vor- und Grundschule phasenweise zeitgleich erteilt werden kann. Derzeit findet die Vorschule unter freiem Himmel statt.

Aguas Frías
Der in dieser Ansiedlung zuständige líder comunitario heißt Javier Mendoza.
Auch in dieser Schule war der Empfang besonders herzlich. Hier teilen sich die beiden Lehrerinnen Migdalia Rivera und Abigail Lopez den Unterricht für die 81(!!) Kinder in der Vorschule (18) und in 5 der 6 Jahrgänge der Primarstufe (63). Das Besondere an dieser Schule ist, dass am Nachmittag Erwachsenenunterricht erteilt wird!!
Diese jüngste „unserer“ Schulen in El Sauce ist natürlich in gutem baulichen Zustand. Es fehlt allerdings an Wasser und Licht (Erwachsenenunterricht!). Anschlüsse befinden sich jedoch in unmittelbarer Nähe der Schule, sodass beide Bedürfnisse mit geringen Mitteln durch die Bürgermeisterei behoben werden können.

Abschlussgespräch im Bürgermeisteramt in El Sauce
Nach dem Besuch der letzten Schule erfolgte ein zusammenfassender Meinungsaustausch mit dem Verwaltungsleiter Byron Martínez. Vorzüge und Mängel der einzelnen Schulen wurden benannt. Es wurde gemeinschaftlich festgestellt, welche Mängel oder Bedürfnisse durch die Verantwortlichen der jeweiligen Ansiedlung, durch die Lehrkräfte oder die Bürgermeisterei von El Sauce behoben werden können und sollten. Ebenfalls wurde festgestellt, welche Aufgaben der Förderverein in den kommenden Jahren übernehmen könnte. Byron wies darauf hin, dass die Bohrung eines Brunnens je nach Geländebedingungen derzeit 4.000 bis 4.500 US$ kostet. Im Einzelnen müsste über künftige Fördermaßnahmen in den nächsten Jahren auf Vorschlag von Jörg Nagels und nach Vorlage entsprechender Kostenvoranschläge und ggfs. weiterer notwendiger Unterlagen in den Mitgliederversammlungen bzw. – bei Maßnahmen von geringem Finanzumfang – vom Vorstand entschieden werden.

In Frage kommende Fördermaßnahmen in den kommenden Jahren
San Francisco de Asís: neue Basketballständer und –körbe (ggfs. kombiniert mit Fußballtoren)
Los Pochotillos: Neubau
Los Rastrojos: Sportplatz, Brunnen
El Campamento: restliche Umzäunung, Sportplatz, Brunnen, Fußboden
El Borbollón: zunächst keine Maßnahmen
Las Lajas: Dach, Brunnen
El Chote: faltbare Trennwand, Sportplatz, später überdachter Vorbau und Umzäunung
Aguas Frías: zunächst keine weiteren Maßnahmen

Projektpauschalen für Schulbesuche durch Jörg Nagels
Mit Jörg wurden die folgenden Pauschalen für Besuche in den geförderten Schulen verabredet; berücksichtigt wurden dabei Kosten für Verpflegung und Unterkunft, für Telefonkosten, für den Kraftstoffverbrauch sowie für Abschreibung an seinem eigenen Kraftfahrzeug in Abhängigkeit vom Zustand der benutzten Straßen. Dies Verfahren enthebt Jörg von der Verpflichtung, künftig seine Aufwendungen durch Einzelbelege nachzuweisen. Dies Abrechnungsverfahren kann durch Beschluss der Mitgliederversammlung geändert werden.
Los Pochotillos: 32 US$
Los Rastrojos : 46 US$
El Sauce : 91 US$
El Sauce + Los Rastrojos: 96 US$

Jörg hat zugesagt, die ihm in 2005 und 2006 entstandenen Kosten zum Jahreswechsel 2006/07, spätestens aber rechtzeitig vor der im März 2007 stattfindenden Mitgliederversammlung vorzulegen.